FELIX JOHANNES LANGE

Home / Essays / 2013 / September / STADT DER BLINDEN

STADT DER BLINDEN

c. grehn nach dem roman von josé saramago

reaktorhalle münchen

regie moritz schönecker musik felix lange // joachim schönecker

welturaufführung zur wiedereröffnung der reaktorhalle.

Zunächst ist es nur ein Einzelfall. Ein Autofahrer erblindet von einem Moment auf den anderen, die Ursache bleibt unklar. Den freundlichen Helfer ereilt kurz darauf das gleiche Schicksal. Wie eine Seuche breitet sich die Blindheit in der ganzen Stadt aus. Um die Ausbreitung der rätselhaften Epidemie einzudämmen, ordnet der Staatsapparat brutale Quarantänemaßnahmen an. Schließlich werden die Erblindeten sich selbst überlassen. José Saramagos gedankliches Experiment stellt die Bewohner der „Stadt der Blinden" vor fast unlösbare Aufgaben. Im Ausnahmezustand wird schnell klar, wie hauchdünn die Schicht der menschlichen Zivilisation ist: Alle Regeln scheinen außer Kraft gesetzt, jeder ist sich selbst der Nächste. Die einzige Chance, zu überleben, besteht darin, aufzubrechen und sich in kleinen Gruppen zu organisieren… Die Parabel von der „Stadt der Blinden" brachte dem portugiesischen Schriftsteller José Saramago 1998 den Literaturnobelpreis - jetzt wird sie in der Bearbeitung der Kleist-Preis-Trägerin Claudia Grehn welturaufgeführt. Der Regiestudent Moritz Schönecker erarbeitet zur Wiedereröffnung der renovierten Reaktorhalle in der Luisenstraße seine Diplominszenierung, die das Gedankenspiel von einer plötzlichen kollektiven Blindheit theatral erforscht und nach seinen Konsequenzen fragt. Sieben Schauspieler und zwei Musiker sind gleichzeitig Leiter und Probanden dieses Experimentes. Sie folgen Saramagos Figuren in diesem Verwirrspiel der Wahrnehmung durch ein apokalyptisches Szenario in eine Welt, in der eigentlich alles nach den Gesetzen der Vernunft läuft: einer blinden Vernunft, die sich an ihre ethische Funktion nicht mehr erinnert.